Pressespiegel 2017

Pressespiegel der Konzerte 2017

Brillanter Gesang
Wie die Chöre der Region Dvoráks Requiem im Konzert der Neuen Philharmonie Westfalen zum Erlebnis machen

  • 13. November 2017 Musiktheater im Revier Gelsenkirchen – Leitung MGD Rasmus Baumann
  • 21. November 2017 Ruhrfestspielhaus Recklinghausen – Leitung Alfred Schulze-Aulenkamp

Für Chöre ist Antonin Dvoráks nicht allzu oft aufgeführtes Requiem eine besondere Herausforderung. Das gilt erst recht für nichtprofessionell geschulte Laienchöre. Der Städtische Chor Recklinghausen und der städtische Musikverein Gelsenkirchen wurden Dvoráks subtil abgestufter Dynamik im dritten Sinfoniekonzert der Neuen Philharmonie Westfalen unter Rasmus Baumanns straffer Leitung mit bewundernswerter Bravour gerecht.

Einmal im Jahr, passend zur so genannten stillen Jahreszeit im November, alle Chöre der Region zu einem anspruchsvollen Chorprojekt zu vereinen – Diese Absicht verfolgte Baumann beharrlich.

Anders als geplant, sprangen diesmal der Oratorienchor der Stadt kamen und der Chor der Konzertgesellschaft Schwerte vorzeitig ab. Verstärkung fand sich im professionellen Opernchor des Musiktheaters im Revier (MiR).

So überschaubar das Choraufgebot folglich ausfiel, so überzeugend geriet der Auftritt im großen Haus des MIR. Schon eingangs im Requiem aeternam bestach bei blitzblanker Intonation der raffiniert wogende Wechsel der mehrstimmig unterteilten Männer- und Frauenstimmen. So verzückt die Chöre im Sanctus die Ehre des Herrn priesen, so beschwörend erklang im Agnus Dei die Fürbitte zur ewigen Ruhe der Toten. Schon im Dies irae überzeugte die bruchlos gesteigerte Dynamik vom rauschenden Piano in ein bei Dvorák nicht überstrapaziertes mächtiges Forte. Nicht minder verblüffte die Sicherheit, mit der die Chöre die manigfach eingestreuten a-capella-Passagen meisterten.

Dvorák hat seine lateinische Totenmesse nach Aufforderung seines Londoner Verlegers für das chorverzückte England komponiert, um es 1891 beim Musikfest in Birmingham aus der Taufe zu heben. „Kein allzu schwieriges Werk“ hatte sich der Auftraggeber ausgedungen. Dvorák hielt sich in seinem für den Konzertsaal, nicht für den kirchlichen Gebrauch komponierten Requiem in der ungewohnt düsteren Melodik zurück aber keineswegs im Farbspektrum seiner äußerst raffinierten Instrumentation.

Raffinierte Instrumentation
Den gezügelten Dynamischen Fliehkräften widmeten sich die Philharmoniker unter Baumanns Leitung in gewohnter Präzision im dynamisch wogenden Orchestersatz, der unentwegt ein eingangs von den Streichern unisono vorgetragenes, vielfach variiertes schlichtes Seufzer-Motiv in Sekundschritten umkreiste.

Die mit zögernd einsetzendem, umso ausgiebigeren Beifall gefeierte Aufführung profitierte von vier ausgezeichneten Solisten: dem mächtig auftrumpfenden Bass des Kroaten Luciano Batinic, der schon als Riedinger in Hindemiths Oper „Mathis der Maler“ brillierte, dem mit überzeugender Attacke aufwartenden sanften Tenor von Martin Homrich, dem abgeklärten Alt der zum Dortmunder Ensemble zählenden Rumänin Ileana Mateescu und dem aufblühenden Sopran von Petra Schmidt, die wie Homrich zum MIR-Ensemble zählt.

Bernd Aulich Medienhaus Bauer


Klangbotschaft vom Tod und Trost
Im 3. Sinfoniekonzert widmete sich die Neue Philharmonie Westfalen dem Requiem „Lux Aeterna“ von Dvorák. Ausgezeichneter Riesenchor im MiR

Der Totenmonat November verhandelt traditionell die letzten Dinge. In Kirchen und Konzertsälen stehen dann die Messen der großen Notensetzer auf dem Programm, um existenziellen Fragen musikalisch nachzuspüren. Dass es neben den bekanntenTotenmessen von Mozart, Verdi oder Brahms aber auch noch weitgehend unbekannte Perlen zu entdecken gibt, das bewies am Montagabend mit Bravour die neue Philharmonie Westfalen.

Im 3. Sinfoniekonzert stand mit Antonin Dvoráks meditativ-besinnlichen Requiem „Lux Aeterna“ (Ewiges Licht) ein effektvolles, zwischen zarter Lyrik und grellen Ausbrüchen schwankendes Werk auf dem Programm, das die ganze Skala der Totenmesse meditativ, andächtig und in Maßen plakativ durchschritt.

Generalmusikdirektor Rasmus Baumann am Pult formte aus diesem Fundus des tschechischen Meisters gemeinsam mit einem homogenen Riesenchor aus Städtischen Musikverein, Opernchor des Musiktheaters und Städtischem Chor Recklinghausen und einem ausgezeichneten Solistenquartett eine überaus überzeugende Klangbotschaft der Erlösung.

Großartiges Solistenquartett

Baumann führte den großen Apparat mit sensiblem Gespür für die dramatischen Bögen. Er reagierte flexibel, aufmerksam und differenziert, lenkte zügig durch das opulente Drama. Satter Streicherklang, Bläserfanfaren, Pauken und Trompeten begleiteten den ausgefeilten dramaturgischen Wechsel zwischen Andacht und Ausbruch. Verhalten begann das Requiem mit einem leisen seufzenden Motiv, im Verlauf der Messe in feinen Abwandlungen immer wieder anklang.

Verhalten klingt das Werk am Ende auch. Zum schlanken transparenten Orchesterklang gesellte sich eine bestens vorbereitete, stimmgewaltige Chorgemeinschaft mit sicheren, frappierend präziser Intonation und fein austariertem, lyrischen Tonfall. stark präsentierten sich die Sängerinnen und Sänger aber auch in den eindringlichen emotionalen Ausbrüchen wie dem „Dies irae“, dem Tag des Zornes.

Verantwortlich für den runden Klang zeichnete auch das hervorragende Solistenquartett. Mir-Ensemble-Mitglied Petra Schmidt überzeugte mit klaren, edlen Sopran, Ileana Mateescu mit samtig gefärbtem, erhabenen Alt. Luciano Batinic Bass trug auch noch übers Orchestertutti, musste sich nur einmal in Kellertiefe quälen. Martin Homrich glänzte mit seinem voll klingenden, phasenweise zu stimmstarken Tenor.

Das 3. Sinfoniekonzert brachte ein fast vergessenes Juwel wieder zum Funkeln. Nach Sekunden des Innenhaltens gab’s am Ende jubelnder Beifall. Ein großer Abend!

Elisabeth Höving WAZ


Bemerkenswerte Entdeckung
Städtischer Chor und NPW unter der Leitung von Alfred Schulze–Aulenkamp präsentierten Grauns „Der Tod Jesu“

„Du dessen Augen flossen, sobald sie Zion sahn“, heißt in Carl–Heinrichs Grauns Passionsoratorium „Der Tod Jesu“, jener berühmte Choral, der auch auf Sebastian Bach so viel Ausstrahlung ausübte. Bach hat diese prägnante Melodie in zahlreichen Stellen mit unterschiedlichen Texten eingesetzt.

Und in Grauns viel seltener aufgeführtem Werk aus dem Jahre 1755 entfaltet besagter Choral seine ergreifende Wirkung. Dafür sorgte in der Christuskirche ein perfekt ausbalanciertes Miteinander zwischen Städtischem Chor, Neuer Philharmonie Westfalen und einem ausgesuchten Solisten–Quartett. Hinter so einer, auf den Punkt kommenden Leistung konnte einmal mehr nur gründliche Detailarbeit stecken!

Ausgewogene, saubere Linien der Sängerinnen und Sänger vereinten sich auf Anhieb mit einem transparenten Orchesterklang. Überhaupt ist Transparenz das Zauberwort in diesem Werk, das in subtilen Grenzbereichen zwischen spätem Barockstil und einem melodiöseren, empfindsamen Stil bereits stilistisch in die Zukunft blickt. Alles wirkt schlanker und weniger komplex als etwa in einem Bach–Oratorium, sowohl auch die dramatischen Höhepunkte, die hier sein müssen, eindrücklich vorkommen.

Tief empfunden wirkten in der Christuskirche sämtliche Choräle und Rezitative. Eine schlanke, von strahlender Noblesse durchdrungene Tongebung realisierte die Sopranistin Charlotte Schäfer in ihren Parts. Ähnlich empfindsam, durchaus etwas opernhafter ging die andere Sopranistin Bele Kumberger zu Werke. Treffsicher waren auch die männlichen Rollen mit Tobias Glabau und Michael Dahmen besetzt.

Das Werk markiert auch von seiner Textgrundlage her einen bemerkenswerten Kontrast etwa zu Bachs großen Passionen. Hier wird eben nicht die Chronologie der Leidensgeschichte durch einen Evangelisten nacherzählt, vielmehr steht eine Reflexion über viele dahinter stehende Empfindungen im Zentrum. Die rege Publikumsresonanz in der Christuskirche zeigte, dass eine Passionsaufführung vor Ostern nicht nur eine Bereicherung für diese Zeit ist, sondern ebenso eine gute „Terminentscheidung“ für den Städtischen Chor und die NPW. Denn anders als im Frühsommer gibt es keine „Konkurrenzveranstaltungen“ bei den Ruhrfestspielen.

Stefan Pieper, Recklinghäuser Zeitung, 4. April 2017