Pressespiegel 2013

Pressespiegel der Konzerte 2013


Danksagung des Intendanten und des Generalmusikdirektors der neuen Philharmonie Westfalen

Eine lange Geschichte
Städtischer Chor Recklinghausen und NPW meistern Haydns „Schöpfung“

„Die Schöpfung“, Joseph Haydns erstes großes Oratorium ist ein gewaltiger Brocken. Dieses monumentale Werk für nur eine Aufführung einzustudieren, verlangt einem Chor beträchtliche Ambitionen ab.

Im vierten Sinfoniekonzert der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW), das stets der großen Chorliteratur vorbehalten ist, bewies der Städtische Chor Recklinghausen im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen bewundernswerte Prägnanz und Wucht in Haydns Lobpreis auf die Schöpfung. Und nicht nur die Schilderung des Lichts auf Erden zu Beginn und der vierstimmige Jubel des Schlusschores glückten ihm lebendig.

In stahlendem C–Dur rühmt Haydn die himmlische Macht bei der Erschaffung der Welt. Die Anregung zu seiner detailverliebten Darstellung aller sechs Schöpfungstage gaben Händels in London so erfolgreiche Oratorien mit ihren dramatischen großen Geschichtslegenden. Haydns „Schöpfung“ ist dagegen dem Epos verpflichtet. Und die Rolle der drei Solisten als Erzähler Raphael, Uriel und Gabriel gibt diese Darstellung etwas Weitschweifiges.

Hinzu kommt, dass neben dem Ebenmaß der Klassik in Haydns stark sinfonisch gefärbter Musik mit ausgedehnten Stimmungsschilderungen in reinen Orchesterpassagen die zweifelhafte Textvorlage des Baron von Swieten mit ihrem Biedergeist optimistischer Rationalität allzu spannungslos geraten ist. So kann die lange Weile einer akzentarmen Aufführung schnell in Langeweile münden.

Mehr als solide Orchesterleistung
Dirigent Alfred Schulze–Aulenkamp, ein erfahrener Chorleiter, versuchte dieser Gefahr durch eine betont kleinteilige Gestaltung zu begegnen. Damit entging er der Gefahr des Monumentalen. Doch die gedehnten Tempi und die allzu getragene Begleitung der Rezitative und Arien nahmen der komplexen Struktur der Musik einiges an Wirkung.

Die in extrem kleiner Besetzung angetretenen Philharmoniker zeigten indes eine mehr als solide Leistung. Schade nur, dass das Klangbild dennoch so wenig transparent geriet. Den vorzüglichen, im Programm nicht genannten Cembalisten, vernahm man kaum.

Unter den Solisten stach eindeutig Bassbariton Christoph Scheeben mit seiner noblen Gestaltung des Raphael hervor. Seine Artikulation fiel bemerkenswert klar aus. Inga Lisa Lehrs hoher Sopran tat sich ein wenig schwer mit den Koloraturen des Gabriel. Etwas blass blieb der Uriel des Tenors Markus Francke.

Das Publikum zollte der ehrgeizigen Aufführung freundlichen Beifall.

Bernd Aulich, Medienhaus Bauer, 03. Dezember 2013


Ein aufwühlendes Klanggemälde
Verdis Requiem entfacht unter Förster erregende Dramatik

Zum Verdi–Jubiläum wird sein Requiem rauf und runter gespielt. Noch immer belastet der zweifelhafte Ruf einer „Oper im Kirchengewand“ sein Bekenntniswerk. Wer es als Zwitter schmäht, verkennt, dass sich hinter dem traditionellen Gewand der katholischen Totenmesse weit mehr verbirgt als erregende Operndramatik.

Auf Verdis imaginärer Bühne blickt der Furcht geschüttelte Mensch in den Abgrund des Todes. Seine Todesvision hat nichts Erlösendes. Im Lux aeterna leuchtet kein ewiges Licht.

Verdi verstört durch die Vision des schieren Nichts. Und das ließ Heiko Mathias Förster mit der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW) und einem gewaltigen Choraufgebot inmitten des pastos ausgemalten aufwühlenden Klanggemäldes von barocker Fülle aufblitzen.

Das von Eva Horneykova gehauchte Piano der vergeblichen Erlösungshoffnung des Libera me zählt zu den berührendsten Momenten der überwältigenden Aufführung im Großen Haus des Musiktheaters im Revier. Scharf arbeitet Förster die Kontraste zwischen zarter Inbrunst im inständigen Flehen und der ungestümen Wucht des mächtigen Chor– und Orchestersatzes heraus.

Mit peitschenden Akkordschlägen, aufwühlender Chromatik und erregenden Synkopen entfacht der Dirigent zum Abschluss seiner vorletzten Saison eine tosende, fast die Hälfte der Aufführung ausmachende Dies–irae–Sequenz.

Bewundernswert, mit welcher Schlagkraft bei aller Präzision und Stimmkultur der Städtische Chor Recklinghausen, der Städtische Musikverein Gelsenkirchen, der Konzertchor Unna und der Gürzenich Chor Köln fesselnde Wirkung entfachten. Und auch auf die Magie der „Aida“–Tempelchöre, die wiederholt anklingt, versteht sich das bestens einstudierte Choraufgebot vortrefflich. Im Solistenquartett muss sich Tenor Sergio Blazquez erst frei singen, um dann im Vergebung heischenden Ingemisco ein ätherisches Piano zu gestalten. Auch wenn es dem Mezzo der Slowakin Lucia Duchonova an klarer Diktion des lateinischen Messe–Textes mangelte, so vereinte sie sich im Lacrimosa, das Verdi der Urfassung seines „Don Carlos“ entnommen hat, mit Sopranistin Hornyakova zu zartester Todesklage. Und im Confutatis entfachte Bassist Ondrej Mráz zu imposantem Blech imposanten Schauder.

Bernd Aulich, Medienhaus Bauer, 26. Juni 2013


Fesselnde Fassung des Requiem
Mit einem Ausrufezeichen verabschiedete sich die Neue Philharmonie Westfalen in die Sinfoniekonzert–Sommerpause: Die Aufführung von Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ beeindruckte mit großem Personalaufwand und konnte künstlerisch fast durchweg überzeugen.

Verdi (1813–1901) schuf mit seinem Requiem eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen des 19. Jahrhunderts. Inspiriert durch den Tod des italienischen Dichters Alessandro Manzoni 1873. Ein Jahr später wurde Verdis musikalischer Tribut aufgeführt, eine knapp 90–minütige monumentale Fassung der lateinischen Totenmesse.

Bei Generalmusikdirektor Heiko Mathias Förster und der blendend aufgelegten Neuen Philharmonie war das Werk in besten Händen: Förster betonte die Vielseitigkeit der komplexen Komposition, ließ der melodischen und harmonischen Schönheit vieler Passagen ausreichend Raum, ohne die brutale Wucht des „Dies irae“ abzumildern. Mit glühender Intensität und nuanciertem Detailreichtum gestalteten Orchester und GMD diese packende, fesselnde Musik.

Die Solistinnen Eva Hornyakova (Sopran) und Lucia Duchonova (Mezzosopran) sangen ihre Parts durchweg brillant mit schlankem und lyrischem Ton und berückendem Piano. Jeder ihrer Einsätze war dank intensiver Interpretation ein Erlebnis. Beeindruckend und dicht am Textgehalt sang auch Bassist Ondrej Mráz. Lediglich Tenor Sergio Blazquez schien etwas indisponiert, seine Tongebung eng und mit forciertem Vibrato. Das frühere Ensemblemitglied des Musiktheaters kennt man in besserer Verfassung.

Gleich vier Ensembles (Städt. Musikverein, Städt. Chor Recklinghausen, Konzertchor Unna und Gürzenich–Chor Köln) übernahmen den anspruchsvollen Chorpart – eine beachtliche Leistung, zumal sich nur selten kleine Unsicherheiten zeigten.

Maria Storck, WAZ, 26.06.2013